Erfolgsaussichten

Nach langem Zögern und Zaudern habe ich endlich die Termine für möglichen Publikumsverkehr festgelegt und die Anspannung wächst.
Ich habe Angst.
Nicht vor dem Scheitern. Daran bin ich gewöhnt. Wenn niemand kommt, bleibt alles wie es ist und ich kann so weiter machen wie bisher.
Ich habe Angst vor dem Erfolg.
Zuerst einmal davor Horden fremder Menschen in meinem Atelier herumstehen zu sehen, kommunizieren zu müssen, weil diese Menschen ja wegen mir gekommen sind.
Doch ich habe auch Angst davor finanziell erfolgreich zu werden, meine Bilder zu einem angemessenen Preis verkaufen zu können. Natürlich tagträume ich auch von diesem finanziellen Erfolg, kaufe in Gedanken dieses und jenes. Unter und hinter diesen Tagträumen ist mir aber bewusst, dass sich mein gesamtes Leben dadurch verändern würde.
Wie genau diese Veränderungen aussehen würden, kann ich mir nicht vorstellen. In meinen Gedanken gibt es nur Möglichkeiten und Spekulationen darüber und viele davon gefallen mir nicht. Mich um Steuern, Versicherungen, Verbindlichkeiten, Verkäufe und den gesamten Rest an Verpflichtungen kümmern zu müssen, macht mir Angst.
Genau daran bin ich in der Vergangenheit oft gescheitert. Dieses Korsett an Verantwortlichkeiten ist mir zu eng. Auto zu fahren ist zwar bequem, aber ein Auto zu besitzen bedeutet auch sich ständig um Benzin, Öl, Reifen etc. kümmern zu müssen. Was für viele Menschen als Freiheit gilt, ist für mich eine Last.
Zum Glück sind die Aussichten auf Erfolg nicht nur düster, sondern auch gering. Welcher Kunstkäufer verirrt sich schon ins Hinterland.

Trotzdem ist mein Atelier nun jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 14:00 bis 18:00 Uhr für Interessenten geöffnet.