Hello darkness, my old friend

Es gibt sie auch hier noch immer, natürlich, diese Tage, an denen nervlich alles so wund ist, dass es taub erscheint: Depressive Schübe, meine altvertrauten langjährigen Begleiter.

Gründe dafür braucht es keine und selbst wenn, muss es nicht an der Umgebung liegen – Altlasten-Auslöser können ja überall auftreten, manchmal ganz unbewusst: Ich kenne meine zwar einigermaßen, doch das nutzt mir nur eingeschränkt.
Ein wesentlicher Faktor ist wiederkehrend die Diskrepanz zwischen Wollen und Können, Vorstellungen und Tatsachen – das Klammern an Haltpunkten im Außen, weil Innen keiner ist (ein Teil meines Bedürfnisses nach klaren Strukturen und Hangs zum übertriebenen Perfektionismus hat dort seinen Ursprung, als Kompensation und Illusion von Kontrolle): Weiß ich ebenfalls schon lange, doch es aufzulösen bleibt wohl nach wie vor eine Dauerbaustelle.

Natürlich ist es Unsinn zu leiden an Dingen, in Bezug auf die man keinen Einfluss hat, die längst Vergangenheit sind oder schlicht zu den eigenen Gegebenheiten gehören: Ich müsste lügen, würde ich behaupten ich käme mir nicht selbst lächerlich dabei vor.
Doch die Depression ist wie ein bockiges Kleinkind, vollkommen unzugänglich für jegliche Argumente.

Was bleibt?
Ist sie stur, dann bin ich eben sturer.

Denn irgendwie muss es ja weitergehen, muss sich gekümmert werden um all die Aufgaben, die einem das Leben nun einmal unablässig vor die Füße wirft.
Und ich bin halt wie ich bin, ganz gleich wie unzulänglich und dysfunktional: Die Existenz ist kein Wettbewerb, auch wenn sie oft zu einem gemacht wird.

Ein Funke Galgenhumor blitzt wenigstens zeitweise meist noch hindurch, ansonsten hangele ich mich entlang der dem Tief abgerungenen Atempausen, die mich dankbar sein lassen für den letzten Rest noch nicht vermauerter Berührbarkeit:

Der Heugeruch in der leichten Brise durch’s weit geöffnete Fenster, die Schwalben vor’m Spätsommerdämmerhimmel, die ersten sich verfärbenden Blätter, der aufsteigende Dampf aus den Wäldern, das Plätschern des Baches, das Rauschen von Regen, Hutzeldus Klarinettenspiel im noch leeren Hallzimmer nebenan, die heiße weiße Schokolade vor mir, eine Scheibe selbstgebackenes Anisbrot.

Was ist je realer als einzig der gegenwärtige Moment?
Es genügt.

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